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16.07.2019

Quartalsbericht 30.06.2019

Kommunale Arbeitsförderung weiterhin auf Erfolgskurs

Intensive Betreuungsarbeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wirkt sich positiv aus

Offenburg, 16.07.2019 – Im vergangenen Quartal haben sich die Fallzahlen bei der Kommunalen Arbeitsförderung kaum verändert: So hat die Zahl der Haushalte, die im Ortenaukreis sogenannte „Hartz IV“-Leistungen beziehen, leicht abgenommen (minus 2,0%). Die Zahl der erwerbsfähigen SGB II-Leistungsberechtigten ist um den gleichen Wert gesunken (minus 2,1%). Diese Entwicklung ist durchaus als positiv zu bewerten, da in den vergangenen Jahren im ersten Quartal überwiegend deutliche Fallzahlanstiege zu verzeichnen waren. In der Summe hat der Fallbestand in den letzten 12 Monaten um fast 800 Haushalte abgenommen (= minus 9,5%). Die Zahl der Leistungsberechtigten ist sogar um über 1.000 gesunken! Allerdings ist zu erwarten, dass sich dieser überaus positive Trend in den kommen-den Monaten konjunkturbedingt etwas abschwächen wird.

Analog der Fallzahlentwicklung ist auch die Zahl der Arbeitslosen rückläufig: Gegenüber dem Vorjahresmonat zählt die Statistik aktuell 390 Arbeitslose weniger (= minus 9,4 Prozent). Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 hat die Arbeitslosigkeit im selben Zeitraum um abgenommen (= minus 7,3 Prozent).– was besonders erfreulich ist, da diese Personengruppe einen herausragenden Stellenwert in der Betreuungsarbeit der KOA hat.

Mit 448 Arbeitsvermittlungen im zweiten Quartal ist die Zahl der Arbeitsmarktintegrationen im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht rückläufig (= minus 1,8 Prozent). Maßgeblich für diese Entwicklung ist der Umstand, dass der Anteil arbeitsmarktnaher Leistungsempfänger im Fallbestand der KOA – analog zu den rückläufigen Fallzahlen – stetig sinkt.

Im Juni 2019 waren 1.988 Maßnahmeteilnehmer gelistet, damit wurde das sehr hohe Niveau des vorangegangenen Quartals leicht unterschritten. In der Summe befinden sich derzeit 25,9% aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen in einer Arbeitsfördermaßnahme der KOA – eine sowohl im Langfristvergleich als auch im Vergleich mit anderen Jobcentern nach wie sehr hohe Aktivierungsquote.

1 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (BG) ist im zweiten Quartal 2019 um 152 auf 7.385 gesunken, dies entspricht einem Rückgang von 2,0% Prozent. Nachdem es im ersten Quartal kaum Veränderungen gab (nur minus 0,3%), war zu befürchten, dass die abschwächende Konjunktur auch den Arbeitsmarkt eintrübt und sich bereits negativ auf die Fallzahlentwicklung der KOA auswirkt. Umso erfreulicher ist es, dass sich im zweiten Quartal wieder der positive Trend fortsetzt, der maßgeblich für die Jahre 2017 und 2018 war.

Übersicht 1a: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften – Quartalswerte

QB 31.06.2019 - Übersicht 1a

In der Summe hat sich die Zahl der Haushalte, die im Ortenaukreis die sogenannten „Hartz IV“-Leistungen beziehen, in den letzten zwei Jahren um rund 1.300 vermindert – und dass obwohl nach wie vor über 1.200 Bedarfsgemeinschaften (BG) mit Fluchthintergrund SGB II-Leistungen der KOA beziehen.

Übersicht 1b: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften – Juniwerte

QB 31.06.2019 - Übersicht 1b

Von der guten Arbeitsmarktlage profitiert natürlich nicht nur der Ortenaukreis, sondern die meisten Gebiete in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es aber besonders erfreulich, dass sich die Entwicklung bei uns trotzdem positiv von den anderen Regionen abhebt: Wäh-rend sich die Fallzahlen im Bundesgebiet, in Baden-Württemberg und auch bei ähnlich strukturierten Jobcentern1 innerhalb der letzten 12 Monate um „lediglich“ um 5,9 bis 6,1 Prozent vermindert haben, betrug der Rückgang im Ortenaukreis stolze 8,5 Prozent. Dies werten wir nicht zuletzt auch als Erfolg der engagierten und professionellen Betreuungsarbeit in der Kommunalen Arbeitsförderung.

1Für einen Vergleich mit ähnlich strukturierten SGB II-Trägern bietet sich die Typisierung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der BA an. Der Ortenaukreis gehört nach dieser Klassifizierung seit Anfang 2014 zum SGB II-Typ 1d, zu dem überwiegend Landkreise in Baden-Württemberg mit gewerblich geprägtem Arbeitsmarkt, hohem Beschäftigungspotenzial in einfachen Tätigkeiten und hohem Migrantenanteil gehören.

Übersicht 2: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften im regionalen Vergleich

QB 31.06.2019 - Übersicht 2
jeweils (t-0 Werte)

2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen im SGB II-Bereich hat im zweiten Quartal um 167 Personen abge-nommen, dies entspricht einem Rückgang von 4,3%. Damit hat sich die positive Entwicklung der letzten Jahre auch 2019 fortgesetzt. Demgegenüber sind Arbeitslosenzahlen im SGB III-Bereich im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits um 22,2 Prozent (!) gestiegen – es ist zu erwarten, dass sich dieser negative Trend zeitversetzt auch auf das SGB II auswirken wird.

Übersicht 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit

QB 31.06.2019 - Übersicht 3


Übersicht 4: U25 – Entwicklung des Leistungsbezugs und der Arbeitslosigkeit

QB 31.06.2019 - Übersicht 4


3 Arbeitsvermittlungen / Integrationen in den Arbeitsmarkt

Im zweiten Quartal haben 448 Arbeitssuchende eine sozialversicherungspflichtige bzw. selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen. Hinzu kommen 94 Arbeitsaufnahmen auf dem sog. „zweiten Arbeitsmarkt“. Insgesamt haben somit 542 Arbeitsmarktintegrationen stattgefunden. – ein Minus von 1,8% im Vorjahresvergleich. In Relation gesetzt zum deutlich gesunkenen Fallbestand ist aber auch diese Entwicklung nicht als problematisch einzustufen: So ist die Integrationsquote im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 nahezu konstant geblieben. Hinzu kommt, dass mit sinkenden Fallzahlen das Potential an Arbeitsuchenden abnimmt und dem-gegenüber der Anteil derjenigen zunimmt, die große Vermittlungshemmnisse haben – was die Vermittlungsaktivitäten natürlich erschwert.

Übersicht 5: Arbeitsvermittlungen / Integrationen

QB 31.06.2019 - Übersicht 5

Im Januar/Februar 2019 konnten 58 Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund in sozialver-sicherungspflichte Beschäftigung vermittelt werden (durch Nacherfassungen wird sich dieser Wert zeitversetzt noch erhöhen). Damit befinden sich die Arbeitsaufnahmen von Flüchtlingen weiterhin auf einem hohen Niveau, was vor dem Hintergrund der aktuell sinkenden Fallzahlen natürlich erfreulich ist. Ca. ein Drittel der Arbeitsmarktintegrationen sind bedarfsdeckend, so dass die Flüchtlinge vollständig aus dem SGB II-Leistungsbezug ausscheiden.

Ein ausreichendes Sprachniveau ist unerlässlich um nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Anders als zunächst angenommen, waren viele der eingereisten Flüchtlinge nicht alphabetisiert und benötigen somit ausreichend Zeit zum Erlernen der deutschen Sprache. Für den Beginn einer Ausbildung ist ebenfalls Sprachniveau B2 erforderlich. Derzeit haben nach wie vor über 90 Prozent der Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund ein Sprachni-veau unter B2! Dies zeigt, dass hier weiterhin große Aufgaben zu bewältigen sind …

Vor diesem Hintergrund wurde in den vergangenen Monaten das bereits vorhandene Maß-nahmeangebot für Flüchtlinge bedarfsorientiert weiter entwickelt. Es enthält neben dem An-gebot an Sprach-, Einstiegs- und Integrationskursen vor allem sprachkursbegleitende Akti-vierungsmaßnahmen, fokussiert auf die Berufsorientierung und die Vermittlung sozialintegra-tiver Inhalte. Zum Maßnahmespektrum gehört auch die Ausweitung und intensive Nutzung der Arbeitsgelegenheiten (AGH) im niedrigschwelligen Bereich mit Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten und weiteren sozialen Kompetenzen. Aktuell befinden sich 48 Flüchtlinge in AGH, dies sind bereits rund doppelt so viele wie drei Monate zuvor.

5 Arbeitsfördermaßnahmen

Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen

Gerade bei langzeitarbeitslosen Menschen sind oft verschiedene Vermittlungshemmnisse vorhanden, die einem direkten (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben entgegenstehen. Durch Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen sollen die Arbeitsuchenden fit ge-macht werden für den ersten Arbeitsmarkt. Um eine positive Wirkung erzielen zu können, wurde das Maßnahmeangebot von der KOA in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht entwickelt. Im Juni 2019 waren 1.704 Teilnehmer in einer derartigen Arbeitsfördermaßnahme. Dies sind etwas mehr als im Quartal zuvor, und im Langfristvergleich ist das Niveau an Maßnahmeteilnehmern nach wie vor sehr hoch.

Übersicht 6: Qualifizierungs- und Beschäftigungs- maßnahmen

QB 31.06.2019 - Übersicht 6

Beschäftigungsmaßnahmen

Die Zuweisung von Alg II-Empfängern in Beschäftigungs- maßnahmen ist eine bedeutende arbeitsmarktpolitische Strategie bei der Aktivierung Arbeitsloser, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht auf Anhieb vermittelbar sind. Dies erhält und verbessert nicht nur deren Beschäftigungsfähigkeit, es gelingt auch häufiger, sie aus solchen Maßnahmen unmittelbar in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln.

Arbeitsgelegenheiten (Zusatzjobs) stellen den größten Anteil an Beschäftigungsmaßnahmen. Ihre Zahl war im Juni auf 284 und im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich angestiegen (= plus 1,8 Prozent). Dieses Förderinstrument wird in den kommenden Monaten vor allem – aber nicht nur – für die Zielgruppe Flüchtlinge im besonderen Fokus der KOA stehen, so dass künftig weiterhin mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen ist.

Im Juni 2019 befanden sich in der Summe 1.988 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einer Arbeitsfördermaßnahme der KOA. Aktuell befinden sich aktuell knapp 26 Prozent aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen in einer Arbeitsfördermaßnahme – eine sowohl im Langfristvergleich als auch im Vergleich mit anderen Jobcentern nach wie sehr hohe Aktivierungsquote.

6 Finanzen

6.1 Finanzausstattungen durch den Bund

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte den Jobcentern im Herbst vergangenen Jahres die vorläufige Verteilung der originären Mittel für Leistungen zur Eingliederung in Arbeit und für Verwaltungskosten der Grundsicherung für Arbeitssuchende mitgeteilt. Ende Januar wurden nun die endgültigen Budgets bekannt gegeben.

In der Summe betragen die Budgets für 2019 im Bereich Verwaltung 14,46 Mio. Euro, im Bereich Eingliederung 11,88 Mio. Euro und bei den Drittmitteln 0,3 Mio. Euro. Mit zusammen 26,64 Mio. Euro erreicht die Finanzausstattung der KOA im kommenden Jahr ihr bislang höchstes Niveau. Damit wird der Rückgang an Drittmitteln, die 2019 – insbesondere bedingt durch das Projekt Soziale Teilhabe, das zum Jahresende 2018 ausgelaufen ist – geringer ausfallen als im Vorjahr, mehr als kompensiert.

Übersicht 7: Entwicklung der Budgets

QB 31.06.2019 - Übersicht 7
Vor dem Hintergrund des im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode vereinbarten Schwerpunktes der Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit wurde seitens des Bundes bei der Verteilung der Eingliederungsmittel ein neuer, ergänzender Verteilungsmaßstab eingeführt. Die Verteilung erfolgt auf Grundlage der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ergänzt um einen sogenannten "Strukturindikator". Ergänzendes Verteilungskriterium ist dabei das Verhältnis der Langzeitleistungsbezieher zu den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten des jeweiligen Jobcenters. Dadurch erhält der Ortenaukreis im Vergleich zur bisherigen Verteilkriterium rund 0,9 Mio. € mehr.

6.2 Finanzaufwand des Kreises

Für das Jahr 2019 gehen wir von einem geplanten Kreisanteil von 17,1 Mio. aus. Dieser liegt über dem Wert des Jahres 2018, da der Anteil der Bundeserstattungen an den Kosten der Unterkunft (KdU) sinkt. Die KdU-Bundesbeteiligung liegt im Jahr 2019 nur bei 48,3% (gegenüber 52,9 Prozent im Jahr 2018). Dies liegt daran, dass der Anteil aus dem 1,6 Mrd.-Paket zur Entlastung der Kommunen über die Umsatzsteuer verteilt wird und dadurch sinkt. Nach vorläufigen Kalkulationen wird der Kreisanteil am Jahresende bei 16,3 Mio. Euro liegen. Möglich wird dies durch eine nachträgliche Erstattung im Bereich der flüchtlingsbedingen Unterkunftskosten durch den Bund und sinkende Fallzahlen. Auch 2019 werden die flüchtlingsbedingten Unterkunftskosten voll erstattet.