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24.07.2018

Quartalsbericht 30.06.2018

Anhaltend positive Entwicklung bei der Kommunalen Arbeitsförderung
Große Erfolge bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

Offenburg, 24.07.2018 – Im vergangenen Quartal haben sich die Fallzahlen bei der Kommunalen Arbeitsförderung wieder deutlich vermindert: So hat die Zahl der Haushalte, die im Ortenaukreis „Hartz IV“-Leistungen beziehen sowie die Zahl der erwerbsfähigen SGB II-Leistungsberechtigten jeweils um 2,8 Prozent abgenommen. Ein Vergleich der letzten 13 Jahre zeigt: Dies ist der stärkste Fallzahlrückgang in einem zweiten Quartal seit es die KOA gibt. Damit hat sich die seit Frühsommer letzten Jahres eingetretene Trendwende auch in den vergangenen Monaten fortgesetzt.

Nachdem die Fallzahlen der KOA seit Mitte 2012 kontinuierlich angestiegen waren und im April 2017 insbesondere flüchtlingsbedingt mit 8.717 Bedarfsgemeinschaften (BG) ihren Höhepunkt erreicht hatten, ist seitdem ein anhaltender Rückgang zu verzeichnen. Zwischenzeitlich hat die Zahl der Haushalte, die von staatlichen Transferzahlungen abhängig sind, um 647 BG abgenommen. Die Fälle ohne Fluchthintergrund haben sich in den letzten drei Jahren sogar um 1.242 vermindert! Flankiert durch die robuste konjunkturelle Lage entwickelte sich die Grundsicherung für Arbeitsuchende derart positiv, wie es vor einem Jahr wohl noch niemand für möglich erachtet hätte

Dass sich auch die Zahl der Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund zuletzt so positiv entwickelt hat, wurde maßgeblich dadurch verursacht, dass erheblich weniger Personen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG) in das SGB II gewechselt sind. Rückläufige Flüchtlingszahlen, ein höherer Anteil aus Ländern mit niedrigen Anerkennungsquoten (z.B. Gambia), längere Anerkennungsverfahren aber auch eine erfreulich hohe Zahl an Arbeitsaufnahmen – sowohl aus dem AsylblG wie aus dem SGB II – sind als zentrale Einflussfaktoren zu nennen. So konnten seit Januar 2017 bereits knapp 800 Flüchtlinge, die SGB II-Leistungen beziehen, in Arbeit integriert werden.

1 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist im zweiten Quartal um 229 auf 8.070 BG gesunken (= minus 2,8%). Zwei Gründe sind für diese positive Entwicklung maßgeblich: Es wechseln weniger Flüchtlinge aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in das SGB II und deutlich mehr Personen mit und ohne Fluchthintergrund scheiden wieder aus dem SGB II-Leistungsbezug aus. Saldiert man den Fallbestand der KOA um die aktuell 1.448 Flüchtlings-Bedarfsgemeinschaften, würden im Ortenaukreis derzeit nur 6.622 Haushalte SGB II-Leistungen beziehen – der mit Abstand niedrigste Stand seit es die Kommunale Arbeitsför-derung gibt. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortset-zen wird.

Übersicht 1: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften


 

Bei einem überregionalen Vergleich schneidet der Ortenaukreis ebenfalls gut ab: Während sich die Fallzahlen im Bundesgebiet, in Baden-Württemberg und auch bei ähnlich strukturierten Jobcentern innerhalb der letzten 12 Monate um lediglich um 5,0 bis 5,5 Prozent vermin-dert haben, betrug der Rückgang im Ortenaukreis 6,8 Prozent.

Übersicht 2: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften im regionalen Vergleich


jeweils (t-0 Werte)

1 Für einen Vergleich mit ähnlich strukturierten SGB II-Trägern bietet sich die Typisierung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der BA an. Der Ortenaukreis gehört nach dieser Klassifizierung seit Anfang 2014 zum SGB II-Typ 1d, zu dem überwiegend Landkreise in Baden-Württemberg mit gewerblich geprägtem Arbeitsmarkt, hohem Beschäftigungspotenzial in einfachen Tätigkeiten und hohem Migrantenanteil gehören.

2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Auch die Zahl der Arbeitslosen hat gegenüber dem ersten Quartal mit minus 3,4% deutlich abgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist sogar ein Rückgang von 9,8% zu verzeichnen. Dieser fällt bei den unter 25-jährigen mit minus 25,1% noch deutlicher aus. Dies besonders erfreulich, da diese wichtige Personengruppe innerhalb der KOA einen besonderen Stellenwert hat.

Übersicht 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit




3 Arbeitsvermittlungen / Integrationen in den Arbeitsmarkt

Im zweiten Quartal haben 473 Arbeitssuchende eine sozialversicherungspflichtige bzw. selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen. Hinzu kommen 79 Arbeitsaufnahmen auf dem sog. „zweiten Arbeitsmarkt“. Insgesamt haben somit 552 Arbeitsmarktintegrationen stattgefunden – 11,9% mehr als ein Quartal zuvor aber ein Minus von 14,4% im Vorjahresvergleich.

Das aktuelle Niveau an Arbeitsvermittlungen ist durchaus positiv zu bewerten, da mit sinken-den Fallzahlen das Potential an Arbeitsuchenden abnimmt und demgegenüber der Anteil derjenigen zunimmt, die große Vermittlungshemmnisse haben.

Übersicht 4: Arbeitsvermittlungen / Integrationen




4 Arbeitsfördermaßnahmen

Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen

Gerade bei langzeitarbeitslosen Menschen sind oft verschiedene Vermittlungshemmnisse vorhanden, die einem direkten (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben entgegenstehen. Durch Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen sollen die Arbeitsuchenden fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt. Um eine positive Wirkung erzielen zu können, wurde das Maßnahmeangebot von der Kommunalen Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht entwickelt. Im Juni 2018 waren 1.851 Teilnehmer in einer derartigen Arbeitsfördermaßnahme.

Beschäftigungsmaßnahmen

Die Zuweisung von Alg II-Empfängern in Beschäftigungsmaßnahmen ist eine bedeutende arbeitsmarktpolitische Strategie bei der Aktivierung Arbeitsloser, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht auf Anhieb vermittelbar sind. Dies erhält und verbessert nicht nur deren Beschäftigungsfähigkeit, es gelingt auch häufiger, sie aus solchen Maßnahmen unmittelbar in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln.

Arbeitsgelegenheiten (Zusatzjobs) stellen den größten Anteil an Beschäftigungsmaßnahmen. Ihre Zahl lag im Juni bei 254 und ist damit leicht gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist ein Plus von 2,8% zu verzeichnen. Dies gilt auch für die Gesamtzahl öffentlich geförderter Beschäftigungsverhältnisse – also einschließlich „Sozialer Teilhabe“. Hier beträgt die Zunahme in der Summe sogar über 20 Prozent.

Aktuell befinden sich in der Summe 2.105 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einer Arbeitsfördermaßnahme der KOA. Damit konnte das sehr hohe Niveau der vorangegangenen Quartale nicht gehalten werden. Gleichwohl befinden sich derzeit immerhin 25% aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen in einer Arbeitsfördermaßnahme – eine im Langfristvergleich nach wie sehr hohe Aktivierungsquote.


Übersicht 5: Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen




5 Flüchtlingssituation – neuer Höchststand an Arbeitsvermittlungen

Im Juni 2018 erhielten 1.448 Haushalte mit Personen aus den Flüchtlings-Hauptzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien SGB II-Leistungen von der KOA. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem vorigen Quartal um 46 BG (= minus 3,1%). Die Mehrheit der Asylbewerber kommt aus Syrien (57,2%), ein großer Anteil (29%) ist zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Übersicht 6: Fallzahlenentwicklung der Flüchtlinge



Quelle: eigene Auswertungen

Dass sich die Zahl der SGB II-Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund zuletzt so moderat entwickelt hat, wurde maßgeblich dadurch verursacht, dass erheblich weniger Personen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in das SGB II gewechselt sind. Rückläufige Flüchtlings-zahlen, ein höherer Anteil aus Ländern mit niedrigen Anerkennungsquoten (z.B. Gambia), längere Anerkennungsverfahren aber auch eine erfreulich hohe Zahl an Arbeitsaufnahmen sind als zentrale Einflussfaktoren zu nennen.

Im vergangenen Jahr konnten knapp 500 Flüchtlinge aus dem Zuständigkeitsbereich der KOA in Arbeit integriert werden, bei einem Bestand von 2.400 Flüchtlingen im Dezember 2017. Dies waren im Durchschnitt gut 40 Integrationen pro Monat. Zum Vergleich: 2015 wurden im Schnitt 7,6 Flüchtlinge pro Monat in Arbeit vermittelt, 2016 waren es 15,8 pro Monat. Von Januar bis Juni 2018 konnten bereits mindestens 265 Flüchtlinge von der KOA in Arbeit vermittelt werden (durch Nacherfassungen wird sich diese Zahl im Zeitverlauf noch erhöhen). Die Tendenz ist also stark ansteigend, was vor dem Hintergrund der aktuell sinkenden Bestandszahlen natürlich sehr erfreulich ist.

Ca. ein Drittel der Arbeitsmarktintegrationen sind bedarfsdeckend, so dass die Flüchtlinge aus dem SGB II-Leistungsbezug ausscheiden. 42 Prozent der im vergangenen Jahr integrierten Flüchtlinge waren vor ihrer Arbeitsaufnahme unter 12 Monate im Leistungsbezug, der Rest (58%) über 12 Monate. Die Integrationsquote von Flüchtlingen beträgt im Ortenaukreis aktuell 10,7% und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 9,3%

Ein ausreichendes Sprachniveau ist unerlässlich um nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Anders als zunächst angenommen, sind viele Flüchtlinge nicht alphabetisiert und bedürfen zunächst ausreichend Zeit zum Erlernen der deutschen Sprache. Für die Aufnahme einer Ausbildung ist ebenfalls Sprachniveau B2 erforderlich. Es wurde deutlich, dass für eine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt insbesondere deutsche Tugenden (z.B. Pünktlichkeit) durch die Flüchtlinge zu erlernen sind. Daher muss zunächst die interkulturelle Kompetenz auch seitens der Flüchtlinge erlernt werden. Der Arbeitsmarkt bzw. das duale Ausbildungssystem unterscheidet sich sehr zu den im Heimatland. Unter anderem werden daher viele Bildungsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt. Die Bedarfsgemeinschaften bestehen oftmals aus mehreren Kindern. Aus diesem Grund stehen insbesondere viele Frauen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung weil die Kinderbetreuung nicht gesichert ist. Ebenfalls können die Männer nicht bedarfsdeckend integriert werden und die gesamte Familie bleibt somit im Leistungsbezug.

In den vergangenen Monaten wurde das bereits vorhandene Maßnahmeangebot für Flüchtlinge weiter bedarfsorientiert ausgebaut. Es enthält neben dem Angebot an Sprach-, Einstiegs- und Integrationskursen vor allem sprachkursbegleitende Aktivierungsmaßnahmen, fokussiert auf die Berufsorientierung und die Vermittlung sozialintegrativer Inhalte. Zum Maßnahmespektrum gehört auch die Ausweitung und intensive Nutzung der Arbeitsgelegenheiten (AGH) im niedrigschwelligen Bereich mit Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten und weiteren sozialen Kompetenzen. Aufbauend darauf schließen berufsqualifizierende Bildungsmaßnahmen an, auch zur Flankierung bei Arbeitsaufnahmen.

6 Finanzen

6.1 Finanzausstattung durch den Bund

Im Juni informierte das BMAS die KOA, dass durch das neue Programm für Langzeitarbeits-losen im Jahr 2018 bereits 300 Mio. ausgeschüttet werden, die das Eingliederungsbudget erhöhen. Die KOA erhält somit an die 800 TSD Euro mehr wie ursprünglich geplant.

Die Budgets der KOA betragen nun in der Summe für Verwaltungsausgaben 13,38 Mio. Euro, im Bereich Eingliederung 9,52 Mio. Euro und bei den Drittmitteln 2,24 Mio. Euro. Mit zusammen 25,14 Mio. Euro liegt die Finanzausstattung der KOA geringfügig unter dem Vorjahresbudget. Vor dem Hintergrund der gesunkenen und voraussichtlich auch weiterhin rückläufigen Fallzahlen kann davon ausgegangen werden, dass die aktuellen Budgets auskömmlich sein werden.

Die endgültigen Budgets erfährt die KOA erst, wenn der Deutsche Bundestag den Bundeshaushalt 2018 verabschiedet hat. Dies wird voraussichtlich noch im Juli dieses Jahres erfolgen.

Übersicht 7: Entwicklung der Budgets


6.2 Finanzaufwand des Kreises

Finanzielles Schwergewicht beim Finanzanteil des Kreises sind die Kosten der Unterkunft (KdU). Für das Jahr 2018 gehen wir von sinkenden Aufwendungen aus, so dass der geplante Bruttoaufwand hierfür in Höhe von 44,5 Mio. Euro voraussichtlich um 5,7 Mio. Euro unter-schritten wird. Der geplante Kreisanteil für die KdU liegt bei 15,7 Mio. Euro. Nach vorläufigen Kalkulationen wird dieser am Jahresende bei 12,5 Mio. Euro liegen. Insbesondere durch höhere Bundesbeteiligungen und sinkende Fallzahlen wird die Planunterschreitung um 3,2 Mio. Euro möglich. Der Bund hat auch für 2018 zugesagt, die flüchtlingsbedingten Unterkunftskosten vollumfänglich zu erstatten, so dass hierfür kein Kreisaufwand entsteht.
Der geplante Kreisanteil für die Leistungen der KOA insgesamt liegt bei 18,7 Mio. Euro und wird am Jahresende voraussichtlich bei 15,6 Mio. liegen.